Wiesgasse 1
9444 Diepoldsau
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Der Farbenmischer, Diener der Farbenseele
Die beste Bau-Mineralfarbe wird auch heute noch in sorgfältiger und aufwendiger Handarbeit ausgemischt, wie zu Zeiten, als es noch keine elektronisch gesteuerten Dosierapparate gab. Das bedingen schon die zum Einsatz kommenden Volltonfarben, die bei einer guten Mineralfarbe auf anorganischen Farbpigmenten basieren. Anorganische Pigmente färben die Materie ein: Der Farbton wird zum Farbkörper. Dadurch kann eine Baute sinnlich erlebt werden, im Unterschied zu manchen Bauten, die sich einfach in einem gestrichenen Zustand befinden.
Für den Farbmischer von hochwertigen Mineralfarben (Silikatfarben) ist die Bewältigung der vielfarbigen Kundenwünsche oft eine Herausforderung. Aus den mineralischen Farbpigmenten, die ihm zur Verfügung stehen, lassen sich zwar ebenso harmonische wie intensive Farbtöne mischen. Allein sind diese, ihrer Natur entsprechend, stets polychrom. Extreme, um nicht zu sagen „spitze“ Farbtöne im Rotbereich, wie wir sie aus der Druck- oder Textilindustrie kennen, sind mit mineralischen Mitteln nur begrenzt möglich. So ist die Formulierung für bestimmte Farbtöne aus einer Farbkarte wie NCS oder RAL oder auch eines eingereichten, individuellen Farbaufstrichs nicht immer selbstverständlich. Gewiss, es wird mit einem modernen computergesteuerten Messgerät eine Rezeptur erstellt. Bei den polychromen Silikatfarben mit ihrem kristallinen Leuchten dienen diese Messwerte aber nur als Startrezeptur. Der digitalisierte Messwert wird nun in Farbe umgesetzt. Hierbei gilt es, der Idee des Farbtons zu entsprechen.
Aus der Sicht des Kunden bedeutet aber die Wahl eines Farbtons ein bewusst veranlasster Vorgang, der ein Ziel oder eine Botschaft beinhaltet. Das ist nun das weite und schwierige Gebiet, wo der Farbmischer in den Farbton hineinsehen können muss. Das Farbmessgerät kann nicht erkennen, was für einen geistigen Inhalt das Blau vom Architekten Le Corbusier beinhaltet. Auch kann es nicht die Lebensfreude im Ockerton, der den Zeitgeist des Barocks darstellt, messen. Denn der Denkmalpfleger will den Farbton mit dieser Botschaft. Die Natürlichkeit, die der Baubiologe im Terra-Cotta-Farbton sieht, wird das Farbmessgerät wohl messen, aber das erdige Colorit darin spürt es nicht auf.








